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 Betreff des Beitrags: Ballons im Einsatz
BeitragVerfasst: 1. Apr 2010 12:14 
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Die Drachen des frühen 20. Jahrhunderts

Bei Beginn des Ersten Weltkrieges besaßen fast alle großen Armeen eine Handvoll Fesselballons zur Gefechtsfeldbeobachtung. Die Mehrheit davon waren vom deutschen System Parseval-Sigsfeld. Lediglich Frankreich setzte nach Kugelballons ein. Solche Ballons konnten üblicherweise auf eine Höhe von rund 800 m steigen, jedoch schränkte die schlechte Qualität der damaligen Ferngläser den sinnvollen Beobachtungsradius auf nur 4-5 km ein. Später im Krieg sank die Prallhöhe durch schlechtere Traggasqualität und Abnutzung der Ballonhüllen auf nurmehr 500-600 m. Einige Ballonbeobachter versuchten das auszugleichen, indem sie auf den schweren Ballonkorb verzichteten und statt dessen nur auf einem an Seilen aufgehängten Reitsattel aufstiegen.

Die Erfolgsbilanz war ausgesprochen mager, denn für den Bewegungskrieg waren die Füll- und Aufbauzeiten schlichtweg zu lang. Manche Befehlshaber fürchteten auch, durch den Einsatz der weithin sichtbaren Ballons ihr Absichten zu verraten und untersagten ihn daher völlig.

Mit dem Erstarren der Frontlinien in den Schützengräben änderte sich jedoch alles, denn nun stieg die Bedeutung exakter Aufklärungsergebnisse rapide: Lage und Zustand der feindlichen Stellungen mußte bestimmt werden, um Angriffe an der richtigen Stelle anzusetzen und nicht unnötig Soldaten zu opfern. Dazu genügten die punktuellen Aufklärungsergebnisse der Flieger nicht, sondern es wurden zeitnahe Beobachtungen und Raumaufnahmen benötigt. Hierfür wurden Ballons bald mit Fernsprechern und langbrennweitigen Kameras (bis zu 120 cm Brennweite) ausgerüstet.

Durch die rapide gestiegene Bedeutung der ballongestützten Aufklärung war auch Frankreich unter Zugzwang geraten, seine veralteten Kugelballons abzuschaffen. Da die Franzosen zudem schon seit Beginn des Krieges eine qualitativ hochstehende Bildaufklärung betrieben, waren ihnen ihre unruhigen Ballons ein besonderer Dorn im Auge. Daher entwickelte der französische Hauptmann Albert Caquot 1916 einen neuen Typ von Fesselballon, der mit drei kleinen Steuersäcken versehen war, die zueinander um 120 Grad versetzt waren. Dieser Ballontyp erwies sich in der praktischen Erprobung als in der Luft sehr stabil. Er war sogar so erfolgreich, daß er in der Folge nicht nur auf Seiten der Entente den Parseval-Sigsfeld-Ballon komplett ersetzte. Auch das deutsche Heer kopierte einige erbeutete Caquot-Ballons und übernahm den Typ als "System AE" für die eigene Ballontruppe. 'AE' heißt in diesem Falle "Aufklärungsballon, englisch", da die Vorlage ein erbeuteter Ballon der britischen Armee war. Tatsächlich war der Caquot-Ballon so erfolgreich und bedienungsfreundlich, daß er bis zum Ende der militärischen Ballonfahrt im Zweiten Weltkrieg im Einsatz blieb.

Zum Schluß muß noch eine weitere Verwendung von Fesselballons angesprochen werden: Der Sperrballon. Darunter verstand man einen niedervolumigen Ballon, der auf etwa 2.500 bis 3.000 m Höhe aufgelassen wurde, um Flieger zum Ausweichen zu zwingen. Mehrere davon um das Zielobjekt verteilt zwangen den Gegner dazu, sein Ziel entsprechend hoch anzufliegen oder duch die von Flak geschützten Bereiche. Die Genauigkeit beim Bombenwurf wurde so verringert und die Flugaubwehr konnte konzentrierter eingesetzt werden. In England ging man noch einen Schritt weiter und entwickelte sogenannte "Aprons" ("Schürzen"). Das waren etwa 900 m lange Kabel, die zwischen zwei Ballons gespannt wurden. Ein dritter hielt es in der Mitte. Daran waren 300 m lange Klavierdrähte befestigt, die am freihängenden unteren Ende mit Gewichten beschwert wurden. Auf diesem Wege ließ sich mit nur drei Ballons ein fast einen Kilometer breites Stück des Anflugweges sperren.



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